Einträge für November, 2007

Herbie rockt es!

Donnerstag, November 29th, 2007

Es macht immer wieder Spaß, sich mir der Musik von Herbie Hancock zu beschäftigen. Als ich in den 80ern das erste Mal Rockit sah, wusste ich noch nicht, welchen weiten Weg er eigentlich schon hinter sich hatte.

Als ich die Platte dann in einem Plattenladen fand, nahm ich sie gleich mit. Konnte einfach nicht anders.

Grandmixer DST fügte damals die Kratzer so gut in das Lied, das man den Plattenspieler wie ein unterstützendes Instrument wahrnahm. Und davon kann der Großteil der heutigen Turntablisten immer noch etwas lernen.

Was ich damals noch nicht wusste war, dass Herbie Hancock eigentlich aus dem Jazz kommt. Nicht nur das. Er hatte schon so beeinflussende Platten wie die von den Headhunters auf dem Buckel, die später kräftig gesampelt wurden und viele Gruppen beeinflussten. Wer seine Discography durchwühlt, der wird noch andere wichtige Platten und Lieder finden. Und das ist dabei interessant. Er hat nicht nur selbst früh mit Sampeln experimentiert, sondern sich auch selbst von anderen Musikern beeinflussen lassen und andere Genres ausprobiert.

Auch beeindruckend ist seine Interesse an neuen Techniken und sein versuch, diese einzusetzen. Wer die Videos noch nicht kennt: Hier sitzt er mit Quincy Jones zusammen und zeigt ihm seinen damaligen Arbeitsraum:

Und zu Schade zur Sesamstraße zu gehen war er sich auch nicht:

Das muss damals wie die dritte Begegnung für die Kinder gewesen sein. Jemand nimmt Deine Stimme und macht mit ihr, was er will.

Das Kinderzimmer verabschiedet sich

Mittwoch, November 28th, 2007

Kinderzimmer Productions legten mit Ihrer ersten Scheibe damals ein beeindruckendes Stück Geschichte vor. Sie waren ein gutes Gegengewicht zu den ernsten Heidelbergern und den Spaßkanonen aus Hamburg. Halt anders. Und sie machten für einige nicht unbedingt Hip-Hop, sondern eher so etwas Alternatives.

Nun geht die Area vorbei. Ihr Abschied wirkt allerdings etwas seltsam. Alles ist eigentlich gut. Nur das mit dem Geld verdienen klappt nicht so, wie sie es bräuchten, um ihren Standard zu halten. Und Hip-Hop hat sich nicht so entwickelt, wie sie es gerne gehabt hätten. Ja, und?

Flöte und Beatbox geht immer

Freitag, November 23rd, 2007

Wenn ich mich richtig erinnere war Doug E. Fresh der Erste, der mit The Show die Melodie von Inspector Gadget verwurstete. Und damit einen Klassiker schuf.

Von Greg Pattillo gibt es eine Neuinterpretation inklusive Beatbox und Axel F Remix. Nebenbei erwähnt gibt es mittlerweile noch wesentlich mehr Sachen von ihm.

Und wer sich ein bisschen über seinen Horizont hinausbewegen will, sollte sich mal das Project anschauen, bei dem er mit dabei ist. Sehr interessant und mittlerweile mit eigener CD.

Samplen und Urheberrecht

Montag, November 19th, 2007

Nate Harrisons Audio-Installation von 2004 mit dem Namen Can I Get An Amen beschäftigt sich nicht nur mit dem bis zum Erbrechen gesampelten Amen Brother von den The Winstons, sondern geht ein Stück weiter zu dem Punkt, wer eigentlich die Rechte an diesem Sample hat oder haben sollte.

Sehr schwierig, dieses ganze Thema. Wenn ich überlege, dass ich bereits in den Achtzigern mit Samples herumspielte und bis heute keine vernünftige Antwort auf das Thema Samplen und Urheberrecht habe…

Scratchlopedia Breaktannica

Sonntag, November 18th, 2007

scratchlopedia-breaktannica.jpgNach langem warten brachte Thud Rumble jetzt endlich die Scratchlopedia Breaktannica heraus, eine DVD mit der Beschreibung von über hundert Techniken zum Kratzen. Der Name ist angelehnt an eine der bekanntesten Enzyklopädie, die Encyclopedia – Britannica. Und hinter der Sache steht der DJs DJ DJ Q-Bert, zu dem man in Turntablism-Kreisen seit gut 15 Jahren nichts mehr sagen muss.

Die DVD fängt mit einem kleinen Intro im typischen Q-Bert Trash-Stil an und danach landet man im Inhaltsverzeichnis der DVD. Hier kann man wählen, ob man sich alle Techniken anschauen, einen Index aller Techniken aufrufen oder Extras anschauen will. Die Credits dürften die meisten Leute nicht interessieren.

Beim ersten Mal wollte ich einfach mal alles anschauen. Was leider nicht so rund lief, da einige Techniken automatisch weiter gingen, andere nicht. Was auch störte, war die Navigation. Man kann zwar von einer Technik zur Vorigen, zur Nächsten, zum Inhalt und zum Index. Allerdings kann die Technik nicht angehalten werden. Um zum Beispiel die schnell durchlaufende Beschreibung sich in Ruhe durchzulesen. Warum die als Laufschrift realisiert wurde, ist mir ein Rätsel. Es gibt nur wenige Techniken, bei denen wirklich viel Text steht.

Die Technik selbst kann man nur im Vollbildmodus anhalten, falls man mal genauer hinschauen möchte. Wie man aber vom Vollbildmodus zurück zur Technik kommt – außer bis zum Ende zu warten -, habe ich bis heute nicht herausgefunden. Da waren dann die möglichen Tasten an meinem DVD-Player irgendwann erschöpft.

Insgesamt wirkte die Umsetzung der Navigation nicht überzeugend. Bei einer DVD gibt es zwar ziemliche Einschränkungen, was die Menüs betrifft, allerdings nervt es schon, wenn man auf einmal wieder im Inhaltsverzeichnis ist und sich von da aus wieder an die letzte Stelle hangeln muss. Der Hinweis auf den Prototyp V.1 im Intro kann man also wörtlich nehmen.

Auch etwas albern fand ich den Hinweis beim Crescent Flare, dass der auf einer anderen DVD erklärt wird. Und den Witz bei der Technik Illusions könnte mir auch mal einer erklären.

Ein weiterer Kritikpunkt an der DVD wäre die schwankende Qualität von Video und Audio. Auch wenn die DVD auf altes Buch getrimmt ist, entschuldigt das nicht, dass man teilweise denkt, da hätte eine bessere Webcam die Videos aufgenommen. Ein gutes Video auf alt oder rotzig getrimmt sieht anders aus. Sieht man mal vom Cover ab, wirkt die Gestaltung auf der DVD insgesamt etwas zweitklassisch. OK, der Trash- und Comic-Stil zieht sich durch viele Sachen bei Thud Rumble. Aber wenn man vom Cover ausgeht, verstehe ich nicht so ganz, warum der Inhalt so aussieht. Und was ich schon gar nicht verstehe ist, warum das Ding sich so lange verzögert hat. Die Videos sehen aus wie mal schnell bei einer Session aufgenommen und die DVD wirkt halt etwas hurtig zusammengeschustert. Wahrscheinlich hatte keiner mehr Bock, dass Ding noch später herauszubringen. Sonst verpasst man am Ende noch das Weihnachtsgeschäft.

Aber vergessen wir mal die Oberflächlichkeiten und schauen wir mal auf den Inhalt. Bei über 100 Techniken fragt man sich: Wo kommen die denn alle her? Da auf der DVD nicht nur die Grundtechniken wie Baby, Transformer und Flare beschrieben werden, sondern auch Kombinationen und Variationen, sind da locker 100 drinne. Die Auswahl ist ganz gut gelungen und interessant. Auch gut ist, dass einige andere DJs, wie zum Beispiel DJ Rafik, diverse Techniken zeigen. Was ein bisschen schade ist, dass einige Techniken dabei sind, die bestimmten DJs zugeordnet werden, diese ihre Techniken aber nicht vorführen. Hätte wahrscheinlich das Budget gesprengt.

Die Extras verstehe ich nicht so ganz. Sind eigentlich nur ein paar Beispiele von Kratzern, die es scheinbar nicht in den normalen Teil geschafft haben. Einige davon sogar mit der gleichen Aufmachung, wie die normalen Techniken in der Enzyklopädie. Bagdad. Na ja. Wahrscheinlich sollen das die berühmten geschnittenen Szenen sein. Ich bin bei DVDs der Meinung, entweder richtige oder gar keine Extras. Das stört mich anderen DVDs auch, wenn da nur mal schnell was als Extras deklariert wurde.

Was man ganz klar sagen sollte: Es ist keine Lern- oder Übungs-DVD. Die Beschreibungen der Techniken sind kurz und nur gleich verständlich, wenn man sich schon auskennt. Es ist in erster Linie etwas zum Nachschlagen oder ein bisschen stöbern, um sich Inspirationen zu holen.

Alles in allem setzt Q-Bert trotzdem mal wieder Maßstäbe. Das tat er unter anderem bei der DMC, mit seinen Battle-Platten, seinem Film Wave-Twisters, dem QFO und seinen Nadeln. An der Umsetzung der Scratchlopedia hapert es meiner Meinung nach zwar, allerdings enthält die DVD soviel Wissen zum Thema Turntablism, dass man das erst einmal ignorieren sollte. Schon alleine deswegen, weil es keine Alternative gibt. Und hoffen wir mal, dass der Hinweis auf den Prototyp ernst gemeint war.

Auch sollte man es Q-Bert zugute halten, dass er dieses Wissen teilt. Ich weiß nicht, wie viele DJs es da draußen gibt, die jeden kleinen Furz, den sie entdecken, für das achte Weltwunder halten und daraus eine Geheimwissenschaft machen. Q-Bert wäre wahrscheinlich nicht da, wo er ist, wenn er sein Wissen nicht mit anderen geteilt hätte.

Don’t call it a comeback

Samstag, November 17th, 2007

Die Zeit rennt und der Schreiber flennt … nicht, weil er hat nichts verpennt. Oder? Die letzten Monate gingen schnell um. Viel zu arbeiten, aber auch die Party des Jahres mit den Jungs gehabt. Hip-Hop aus vier Jahrzehnten aufgelegt und in Stücke gekratzt. Oder waren es nur drei? Uns hat’s gefallen, den Gästen größtenteils auch – man kann es ja nie allen recht machen – und das war nicht das letzte Mal, dass wir einfach das auflegen, was wir hören wollen. Voranmeldungen für nächstes Jahr werden entgegen genommen ;o)

Heute kam übrigens die seit über einem Jahr angekündigte Scratchlopedia. Die werde ich mir mal das Wochenende in Ruhe zu Gemüte führen und ein Fazit ziehen.