Wer hätte das gedacht. Nachdem ich auf Heise gelesen hatte, dass es jemand mit kostenloser und gleichzeitig legaler Musik versucht – finanziert natürlich durch Werbung – meldete ich mich gleich bei adTunes an. Eigentlich dachte ich, dass ich da sowieso nicht reinkomme, da geschlossene Betas meistens überlaufen sind und dauern. Aber oh Wunder, ein paar Stunden später trudelte tatsächlich meine Freischaltung ein. Also hingesetzt und ein bisschen gestöbert.
Beta ist noch ernst zu nehmen. Wenn die Jungs dieses Interface auf die Welt loslassen würden, dann würde es nur benutzt, weil die Musik kostenlos und legal ist. Sicher explodiert bei Betas immer irgendwo etwas. Das Abmelden funktioniert bei mir nicht richtig. Die Werbung rechts ruckelt hin und her – das geht meines Wissens selbst auf IE6 ohne Javascript fix und ohne ruckeln. Aber das sind nur Kleinigkeiten. Firefox 2 unter Mac hat Darstellungsfehler und schmiert irgendwann ab. Mit Safari läuft alles entspannter. Internet Exploder habe ich nicht ausprobiert, da dies sowieso der am Besten unterstützte Browser sein dürfte.
Doch vergessen wir mal das alles, was alles noch ausgebügelt werden kann, wie zum Beispiel hochgerechnete Cover mit grottiger Qualität und doppelte Einträge bei Künstlern und Labeln oder manche Umlautprobleme.
Auch wenn es jetzt kurz technisch wird, adTunes versucht sich an einem Ein-Seiten-Interface mit viel Javascript oder wie man heute so schön sagt: Ajax. Das ist an sich keine schlechte Idee, da so der Player im Hintergrund weiterlaufen kann, während man im Katalog stöbert. Aber irgendwie ist die Umsetzung noch nicht so knorke. Da mehr Informationen dargestellt werden sollen, als auf üblichen Bildschirmen Platz ist, springt die Seite bei der Bedienung hoch und runter. Wenn man gerade ein Album gefunden hat und mal kurz die einzelnen Titel durch hören will, nervt das ungemein, da immer wieder hoch zum Player gesprungen wird.
Überhaupt empfand ich dieses Hin- und Herspringen bei der Bedienung destruktiv, da ich mich ständig neu orientieren musste. Selbst nach einigem Kennenlernen der Bedienung hat man nicht das Gefühl, dass es flüssig läuft. Dass bei jedem Klick im Hintergrund noch tausende von Anfragen über das Netz laufen, tut seinen Rest. Hier gibt es meiner Meinung nach noch viel Verbesserungsmöglichkeiten. Wer iTunes als Vorbild für den Namen nimmt, der sollte sich auch eine Scheibe an der Benutzerführung abschneiden.
Also bisher ist die Benutzung nichts für Leute wie mich. Immerhin geht die Zurückfunktion des Browsers. Bei Aufruf in einem neuen Tab versagt das Ganze natürlich.Die Suche leidet leider an der Benutzerführung. Irgendwie findet man etwas, aber ich hatte teilweise das Gefühl, dass hätte auch schneller gehen können. Dass man nicht immer etwas findet, liegt unter anderem daran, das der Katalog bisher scheinbar auf BMG Sony beschränkt ist. Das kann man dann adTunes weniger ankreiden. Ist zwar schade, aber vielleicht tut sich da was. Plattenfirmen für den Vertrieb im Internet zu überzeugen soll ja nicht so einfach sein.
Hier fällt übrigens wieder ein Schwachpunkt auf, den man bei vielen anderen Anbietern finden kann. Aktuelle Hits sind ohne Probleme zu finden. Evergreens, die neu aufgelegt wurden natürlich auch. Wenn es allerdings etwas spezieller wird, dann sieht es finster aus. Leider.
Nebem dem Suchen gibt es eigentlich nur noch die Funktion Channels. Hier kann man eigene Listen mit Liedern anlegen. Das wars. An der Bedienung dazu könnte man auch noch arbeiten. Ob hier geplant ist, dass man diese Channels auch anderen Benutzer zur Verfügung stellen könnte, zum Beispiel auch eigene Radio-Channels, ist bisher nicht ersichtlich. Für den Erfolg dürfte das wahrscheinlich ein wichtiger Punkt sein.
Die Qualtität habe ich jetzt nicht auf Herz und Nieren geprüft. Es sollen 320er MP3s durch die Leitung gehen, was beim ersten Hinhören tatsächlich sein könnte. Und hier kommt dann auch wieder das übliche Problem von heute auf. Einige Sachen sind einfach überkomprimiert und man wünscht sich dann eher die Vinylversion, die etwas natürlicher rüberkommt, anstatt der vergewaltigten Digitalversion.
Einen seltsamen Punkt gab es noch bei ein paar Liedern. Sie funktionierten nicht. Als ich dann mal im Hintergrund geschaut hatte, was denn da passiert, war zu sehen, dass WMA statt MP3-Dateien aufgerufen wurden. Und dass das so einfach ersichtlich war lässt mich vermuten, dass es wahrscheinlich sehr schnell jemanden geben wird, der einen Downloader für diese Seite bastelt.
Denn Downloaden kann man logischerweise die Musik nicht, da diese über Werbung finanziert wird. Neben der Bannerwerbung gibt es noch eingeblendete Videos, die irgendwann mal dazwischen geschaltet werden. Mehr ist mir bis jetzt noch nicht aufgefallen.
Insgesamt lässt sich sagen, dass wenn man mal einen Channel zusammengebastelt hat, was zur Zeit meiner Meinung nach nicht besonders reibungslos geht, sich die Seite als persönliches Radio eignet. Zu mehr eigentlich nicht, da man die Sachen offiziell nicht auf andere Datenträger übertragen kann. Zum Stöbern um neue Musik zu finden taugt es nur bedingt, da es keinerlei Community-Funktionen gibt, noch irgendwelche Empfehlungen vom System. Hier kann man dann höchstens über die Labels gehen.
Flickr hatte ja ziemlich lange ein Beta im Namen. Funktionierte allerdings tausendmal besser. Bei adTunes ist Beta noch Programm, nicht nur in Bezug auf Abstürze oder Fehlfunktionen. Die Bedienung sollte dringend überarbeitet werden. Sogenannte Web2.0-Techniken zu benutzen reicht nicht aus. Übersichtlichkeit und soziale Elemente sollten ebenfalls nicht fehlen. Die Idee an sich ist OK und da sie die ersten am Markt sind, dürften die Chancen gut sein. Mal sehen.
Nachtrag: HA! Habe doch tatsächlich was übersehen! Und zwar auf der Startseite irgendwo unten. Da gibt es Popular Albumchannels und Popular Userchannels. Sieht irgendwie schon mal ein bisschen nach einem sozialen Element aus. Jedenfalls etwas, womit vielleicht neue Musik gefunden werden kann. Ich klicke also tausend mal auf meinen Userchannel und lande dann auf der Startseite? Sonst noch was übersehen? Mensch, was eine Oberfläche.