Früher bewegten DJs noch … Hintern. Was anders kann man gar nicht schreiben, außer man will noch mehr Spambots anlocken. Was DJs heute noch so bewegen, ist eine interessante Frage. Gestern habe ich das iPhone ganz bewusst außen vor gelassen, um nicht zu sehr abzuschweifen, obwohl es ja eigentlich die Touchscreens zur Masse gebracht hat.
Doch das Thema Touchscreens ist eigentlich sehr spannend. Wenn man konsequent den Gedanken zu Ende denkt, dann hat in einem modernen DJ-Set eigentlich ein Mischpult nichts mehr zu suchen. Eine Sache, die mir gestern gar nicht eingefallen war. Wenn ich einen rießigen Touchscreen habe und der entsprechend reagiert, dann kann ich damit eigentlich alles realisieren. Mehr oder weniger. Man muss nur ein bisschen die alten Pfade verlassen.
Wie es nicht gehen sollte, zeigt MixMeister:
Das ist noch nicht einmal Kindergartenniveau und nur eine Spielerei. Vielleicht ändert sich das ja, wenn Apple ein bisschen vom hohen Ross und den NDAs herunterkommt. Um auch als Spielerei interessant zu sein, orientiert es sich zu sehr an Bestehenden.
Wesentlich spannender finde ich Protein DScratch, von dem ich bisher nur gelesen habe und Dirk auf das Video verwiesen hat. Obwohl es ein altmodisches Touchscreen mit Stift ist.
Wenn man ein bisschen weiter spinnt, dann wird es in diesem Bereich noch viele Weiterentwicklungen geben. Zwar nichts wirklich revolutionäres mehr, aber für die nächsten Jahre ist für Nachschub an Neuigkeiten gesorgt.
Doch während sich in ein paar Jahrzehnten mein Technics immer noch drehen wird, wird die Elektronik von morgen wahrscheinlich längst auf dem Schrottplatz sein. Die Touchscreens sind meiner Meinung nach nur ein Übergangsstadium. Der nächste Trend werden Gesten sein. Das wird noch ein paar Jahre dauern, aber da wird es hingehen. Einfache Sachen wird man über Gesten in der Luft machen, kompliziertere Dinge direkt auf Projektionen in der Luft. Das man sich irgendwelche Helme und Handschuhe anzieht, um dann in einen eigenen Cyberspace abzutauchen, glaube ich weniger. Da halte ich Projektionen auf die Netzhaut für wahrscheinlicher.
Neelz brachte eine kleine Diskussion mit folgenden Video in Gange:
Vergessen wir mal die unspektakulären Techniken und die langweilige Vorführung. Was soll man davon halten? Hat das Zukunft? Kann es Plattenspieler komplett ersetzen? Hat man Lust damit zu arbeiten? Kann es mit Vinyl mithalten?
Zuerst einmal muss man sich fragen, worum es einem geht, wenn man sich mit den heutigen digitalen Möglichkeiten beschäftigt.
Wo man gar nicht diskutieren muss ist, dass Musik von Vinyl hören etwas ganz eigenes ist. Es fängt mit der Zeremonie an, die Platte vorsichtig aus dem Cover zu holen. Elegant wird sie dann aus der Hülle in die Hand gelegt ohne drauf zu packen. Behutsam nimmt man sie an den Rändern und legt diese auf den Plattenteller, möglichst mit einer Bewegung direkt das Loch auf den Stift ohne das Label anzudotzen. Die Nadel wird langsam angehoben und vorsichtig auf die Platte gelegt. Richtig Vorsichtige lassen dies vollautomatisch machen, ohne eigenes Eingreifen und beobachten gespannt, wie die Nadel in die Rille gleitet. Vielleicht noch ein leises Knistern und der erste Ton erklingt und gibt das Signal sich gemütlich um andere Dinge zu kümmern.
Ohne Frage kann man dieses Erlebnis und diese Art Musik zu hören nicht durch digitale Medien ersetzen. Höchstens durch Kopplung an die Matrix. Aber da hat man bekanntlich ganz andere Probleme. Hier gibt es also keine Konkurrenz für das Vinyl. Höchstens Ignoranz oder kommerzielle Unwirtschaftlichkeit die dazu führt, dass es immer weniger neues Vinyl gibt.
In einem ganz anderen Bereich spielt das alles aber gar keine Rolle. DJs und Turntablisten haben in erster Linie Interesse daran, mit Musik zu arbeiten. Hier geht es darum, eigene Vorstellungen zu verwirklichen, ergo ein kreativer Akt. Wichtig ist in der Regel, was dabei herauskommt. Wenn man mit digitalen Techniken das Gleiche erreichen kann wie mit analogen, was spricht dann dagegen? Besonders, wenn digitale Techniken mittlerweile günstiger und flexibler sind? Und meistens noch mehr Möglichkeiten bieten?
Nichts. Außer Dogmatismus, der in der Musik eher hinderlich ist. Ich kann keinen Unterschied darin sehen, ob man jetzt mit dem Original von eBay für 100 Euro arbeitet oder mit einer Kopie als MP3. Entscheidend ist für mich das Ergebnis. Nicht welche Turnschuhe jemand beim Breaken anhat. Ob man beim Beatboxen einen Bart hat oder beim Malen Montana-Platinum benutzt. Jeder benutzt das, womit er am besten zurecht kommt. Wenn sich jemand bei seiner Arbeit auf bestimmte Kriterien beschränkt, dann kann das schon Sinn machen. Durch Einschränkungen wird man manchmal ziemlich kreativ. Aber es ist schwer, dadurch ein allgemeingültiges Gesetz herzuleiten.
Jeder der es bis hierher ausgehalten hat, erinnert sich vielleicht noch an das Video. Wie schon erwähnt ist die Präsentation Schrott. Die Möglichkeiten eines Touchscreens sind wahrscheinlich Lichtjahre weiter, als das Video zeigt. Leider habe ich bisher noch nicht an einem Touchscreen gekratzt. Ob das Ganze brauchbar ist, hängt aber von einigen Kriterien ab. Zum Beispiel der Reaktionszeit des Systems.
Als ich das erste Mal an einem Rane Serato ScratchLive stand, viel mir die Latenzzeit des Systems auf. Die ist zwar auf guten Systemen ziemlich gering, aber vorhanden. Und technisch gesehen wird man die nie ganz wegbekommen. Mit ein bisschen Eingewöhnung kommt man damit gut zurecht. Und hier dreht es sich nur um die Zeit, die das Signal in den Computer zur Verarbeitung braucht, um dann letztlich als Ton herauszukommen. Bei einem Touchscreen muss noch zusätzlich der Bildschirm mit entsprechenden visuellen Rückmeldungen versorgt werden. Die Ansprüche an das System werden um einiges höher und auf einmal gibt es noch das Problem, dass die Darstellung und der verzögerte Ton synchron sein müssen. Für einen Ingenieur bestimmt eine spannende Herausforderung. Für die Benutzung kann das ein Todesstoß sein, wenn sich das nicht echt anfühlt.
Also schon einmal ein ganz wichtiger Punkt. Nicht nur die Latenz, sondern auch die Synchronität von Ton und Bild.
Der nächste nicht zu unterschätzende Punkt ist die Haptik, also das, was man mit der Hand fühlt. Es gibt ja mitterweile einige Midicontroller, die einen Plattenspieler als Steuerungsgerät ersetzen wollen. Die meisten scheitern daran, dass es sich nicht echt anfühlt, besonders für so alte Säcke wie mich, die mit einem Technics groß geworden sind. Das Problem erledigt sich natürlich irgendwann von selbst, wenn solche Querulanten ausgestorben sind.
Dann kommt dazu, dass es eigentlich ein Multi-Touchscreen sein muss, der zwischen den einzelnen Fingern unterscheiden und entsprechend reagieren kann. Und so sieht das Ding in dem Video nicht aus.
Insgesamt stehe ich solchen Sachen nicht negativ gegenüber. Ich bin nur von Natur aus skeptisch und warte lieber ein Jahr länger, bis ich davon ausgehen kann, dass ein System brauchbar ist. Und zu dem Video muss ich sagen, es hat mich nicht überzeugt. Da ist auf jeden Fall mehr drin.
Nachdem Casio Hardcore es schon angekündigt hatte, hat er dieses Wochenende seine Arbeit zum Thema Samplequellen der Beastie Boys abgeschlossen. Ein paar Kleinigkeiten fehlen zwar – warum gerade Jimmie Walker ist mir ein Rätsel – aber insgesamt eine sehr ausführliche Übersicht mit einigen Überraschungen. Viel Spaß beim Wissen auffrischen.
So ist das, wenn man aus Zeitgründen nicht mal schaut, was denn die Jungs sonst noch so treiben. Nachdem ich bei Testspiel gelesen habe, dass die Jungs einen heftigen Flugzeug-Unfall hatten, habe ich nochmal ein bisschen geschaut. Die Beiden sind glücklicherweise mit ihrem Leben davon gekommen, müssen sich allerdings davon erst einmal erholen. Andere hat es da leider böser erwischt. Denen ist die aktuelle Startseite von Travis Baker und DJ AM gewidmet.
Wem das Video gefallen hat, der findet ein Mixtape im selben Stil auf deren Seite zum Herunterladen, was mich ein bisschen an meine Sessions mit Schlagzeugern erinnert. Die Sessions waren zwar weniger mixtape-mäßig sondern mehr Gekratze. Aber das Zusammenspiel mit einem guten Schlagzeuger macht einfach Spaß.
Platten schneiden bei der Altersvorsorge schlecht ab. Interessanter scheinen da Sneakers zu sein. Besonders die Sonderausgaben von Nike: Wu-Tang Nike Dunk Hi für 7500 Dollar. Das hätte mir mal einer früher sagen sollen.
Ganz frisch aus der Kiste: King Of The Beats – The Challenge Returns. Das Ding war jetzt knapp zwei Wochen unterwegs. Da ist man zweimal überrascht, wenn man es vergessen hat. Hätte mittlerweile eher darauf getippt, dass die 500 Kopien weg sind.
Worum es geht? Ein Wettkampf, bei dem Herausgefunden werden soll, wer die besseren Beats macht. Unter anderem mit der Vorgabe, nur 20 Pfund auszugeben. Vorbild ist der Film King Of The Beats von 1999, der mit dem Beat Battlen anfing. Unter anderem sind dabei das Urgestein DJ Pogo, DJ Devastate von den legendären Demon Boyz und Mr. Thing.
Wer sich nicht viel darunter vorstellen kann, der sollte sich die Trailer dazu anzuschauen. Ich muss jetzt erst einmal Chips besorgen.