Ab heute gibt es bezüglich digitalen Vertriebes von Musik mal wieder einen neuen Versuch: Musicbon. Um es vorweg zu nehmen: Ich habe es nicht ausprobiert. Und so wie sich das Ganze anhört, werde ich das auch nicht machen.
Ein paar Details, wie sich das Sony BMG so vorstellt. Der liebe Käufer geht in den Laden, kauft einen Musicbon, natürlich in der Aufmachung des Künstlers, rennt nach Hause und lädt mit einer Zahlenkombination, die auf dem Musicbon steht, sich die MP3s auf seinen Rechner und darf dann damit machen, was er will. Er kann die Dateien auf seinen Rechnern zu Hause herumkopieren, auf sein portables Musikabspielgerät ablegen oder auch auf CD brennen. Wenn dann allerdings unter So geht’s bei Punkt 4.3.1 steht, dass die Anzahl dieser Brenn- und Kopiervorgänge durch die Labels vorgegeben wird, dann verwundert das doch irgendwie. MP3s ohne digitales Rechtemanagement und trotzdem eine Einschränkung? Steht das dann auch während des Kaufes auf dem Musicbon drauf? Der Punkt 4.3.2 lässt dann auch irgendwie darauf schließen, dass der Text sehr früh geschrieben wurde, wahrscheinlich, bevor MP3s in Betracht ohne Kopierschutz bezogen wurde. Aber natürlich alles nur Spekulation.
Wer jetzt loszieht, der wird es erst einmal schwer haben, einen Musicbon zu finden. Bisher macht nur Saturn bei diesem Versuch mit. Klar, andere Händler folgen. Irgendwann. Und außer einer Handvoll Alben gibt es natürlich erst einmal nichts. Selbstverständlich nur bekannte Mainstream-Sachen. Die beste Voraussetzungen also, um mit der Sache Erfolg zu haben.
Insgesamt hört sich das nach viel Arbeit für den Kunden an. Da ich bezweifel, dass die Musicbons wirklich irgendwie brauchbar sind als Ersatz für CDs, stellt sich natürlich die Frage, warum man so etwas machen sollte?
Einen Vorteil hat dieses System: Der Käufer kann anonymer bleiben als bei den anderen Download-Diensten. Sofern er sich nicht doch dafür entscheidet, sich ein Benutzerkonto einzurichten um seine gekaufte Musik aus dem Internet streamen zu können. Dann ist das Ganze natürlich wieder hinfällig. Allerdings wird der Punkt der Anonymität den Meisten ziemlich egal sein.
Um das eigene System nicht zu unterwandern, wurde natürlich keine Möglichkeit geschaffen, direkt online zu kaufen. Nein. Man kann sich die Sachen zwar online anhören. Allerdings muss man dann in den nächsten Laden fahren, der Musicbons hat, um sich dort die Berechtigung zum Herunterladen zu kaufen. Super Sache. Wer bitte macht so etwas? Selbst wenn ich ein paar Euro sparen kann, der Vorteil ist dann irgendwie im Nu im Nirvana. Also hätte man sich das Vorhören eigentlich sparen können.
Es ist also nicht verwunderlich, dass ich dem Ganzen nicht viel abgewinnen kann. Der einzig interessante Punkt ist wirklich die Möglichkeit der Anonymität. Mir fällt jedenfalls gerade kein Dienst ein, der einem das ermöglichen würde. Alles andere ist ein nett gemeinter Versuch, die reale Einkaufswelt mit der virtuellen Einkaufswelt zu verbinden. Da sollte Sony eher hingehen und jedem Käufer einer CD die Möglichkeit einräumen, die Musik auch digital herunterzuladen. Weil eigentlich sehe ich das so: Man käuft die Nutzungsrechte an der Musik. Welches Medium man dann letztendlich benutzt, sollte eigentlich egal sein. OK, ob Nutzungsrechte jetzt juristisch gesehen der richtige Ausdruck ist, sei mal dahingestellt. Wenn man Musik zum Hören kauft, will man halt nicht eingeschränkt werden.