Eine Nadel sie zu knechten

Es muss so 1987 gewesen sein – Frauen haben es bei solchen Erinnerungen einfacher, da sie Tagebuch führen –, als zwei Jugendliche im HIFI-Laden Ruhl aufschlugen und sich nach Nadeln erkundigten, da die Original-Nadeln ihrer Sony-Plattenspieler nicht so das Wahre waren. Ich weiß nicht mehr wie, aber irgendwie fand der Verkäufer heraus, dass wir die Nadeln auch für mehr als nur zum Anhören benutzen wollten. Und so empfahl er uns eine Pickering, der wir jahrelang die Treue hielten. Passte sie aufgrund ihrer Höhe gerade so auf den Sony-Plattenspieler, nachdem wir eine richtige Headshell irgendwie draufgebastelt hatten.

Sechs Jahre später war dann genug Geld da für zwei 1210. Nadeln waren lokal schwer zu bekommen. Das Internet war noch zwei Jahre entfernt und DJ-Versände waren noch dabei herauszufinden, wie man Service schreibt. Aufgrund der Aussage eines lokalen Händlers, dass es unsere Pickering nicht mehr gäbe, kam dann eine XV15 ins Haus. Natürlich auch von Pickering. Hier lief erst einmal nicht so alles rund. Es ging dann aber nach einiger Eingewöhnungszeit.

Das schöne an Pickering war, dass es jahrelang ohne Probleme immer günstige Ersatznadeln im Dreierpack gab. Aber im Laufe der Zeit wurde es auch immer nerviger, neue zu bekommen. Pickering war für deutsche Händler doch etwas zu speziell und lief wohl auch für Stanton, die Pickering gekauft hatten, unter fernerliefen.

Vor ein paar Jahren, als dann ein Händler eine furchtbare technoide rote Variante der Nadel schickte, war es dann mal an der Zeit zu schauen, ob es nicht vielleicht ein Alternative gibt. Die technische Entwicklung im DJ-Bereich war ja da.

Na einigem stöbern und Preisvergleichen, landete ich dann wie viele bei Ortofon. Hier kam gerade die Q-Bert-Variante heraus, die dann ins Haus kam. Ausschlaggebend war unter anderem die hohe Ausgangsleistung von 11mV und die Faulheit, ständig Händler abzuklappern, ob sie denn die gewünschte Nadel hätten. Unsere allererste Pickering fand ich zwar in einer Neuauflage als NP/AC wieder. Aber die hatte „nur“ 10mV – ok, den Unterschied merkt man kaum – und ich sah das übliche Problem mit Pickering wieder auf mich zu kommen.

Tja, ich hätte noch auf die Shure M44 umsteigen können. Das ist die einzige Nadel, die den „Ich diss Dich“-Test schafft. Die Maxi von IZ & Tone ist an einer Stelle so krass geschnitten, dass die Nadel beim Bass springt. Außer die Nadel heißt Shure M44. Aber irgendwie gefielt mir die Idee nicht, meine Nadeln aus irgendwelchen Lagerbeständen zu kaufen, um wirklich die Original zu bekommen.

Letztens habe ich dann die Ankündigung von Serato und Ortofon gelesen, die zusammen eine neue Nadel mit was weiß ich was für tollen neuen Eigenschaften herausbringen wollen. Nach einem Monat gibt es noch nicht mehr zu sehen als Ankündigungen. Und ob man bei Nadeln wirklich noch so viel verbessern kann? Werden wir sehen. Soviel Geld wie vor ein paar Jahren lässt sich im DJ-Bereich nicht mehr verdienen, oder?

Ein Kommentar zu “Eine Nadel sie zu knechten”

  1. ichselbst schrieb:

    Tja, so ist das mit den Nadeln.
    Ich glaube schon, dass es einiges zu verbessern gab, wie das jetzt ist weiss ich allerdings auch nicht… aber es ist ja nicht nur die Nadel an sich, der Träger spielt ja auch eine Rolle.
    Ich bin bei Shure gelandet. Warum weiss ich nicht mehr, wahrscheinlich weil es hieß “DIE Nadel für alle Scratcher die real sein wollen” oder so. Naja, manchmal lasse ich mich doch beeinflussen.
    Ortofon verlost zur Abwechselung mal wieder was, und zwar die S-120.
    Für die ich für ScratchDJ.de auch die News geshrieben habe.

    p.s.: Wenn du ein Buch schreiben würdest, ich würde es lesen…

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