Hip-Hop, Hiphop, HipHop, Hip Hop, Hä?

So spannend Sprache sein kann, so ätzend ist das Festhalten der Laute in Buchstaben. Das Internet hat ja ein bisschen dafür gesorgt, dass jeder so schreibt wie er will. Ich erinnere mich noch an einen Chat, den ich vor etwa zehn Jahren mit jemanden hielt. Es war das erste Mal, dass wir gemeinsam über IRC chatteten. Die Reaktion auf meinen ersten Satz war: Du schreibst ja mit Großbuchstaben? Ja, ‘schuldigung, wenn man mit zehn Fingern schreibt und das so drinne hat, dann schaltet man das nicht einfach ab, nur weil die ganzen Jungspunte im Internet meinen, Sie müssten alles klein schreiben.

Und die letzten Tage bin ich mal wieder über ein kleines Problem gestolpert, für das es sprachlich nicht so wirklich ein Lösung gibt. Wie schreibt man Hip-Hop? Vor vielen Jahren benutzte ich die Schreibweise HipHop. So nach dem Motto: Ha, ich bin Insider und weiß die korrekte Schreibweise und ihr habt keine Ahnung. Nachdem ich mich aber etwas intensiver, auch durch meine Arbeit, mit dieser sogenannten CamelCase-Schreibweise auseinander gesetzt hatte, verwarf ich diese irgendwann. Einerseits wegen der Lesbarkeit und andererseits, weil man von einer gewissen Häßlichkeit sprechen kann.

Der Duden führte dann 1996 irgendwann Hip-Hop ein. An sich eine für mich akzeptable Lösung. Einerseits ist es ein Schreibweise, die auch im Englischen zu finden ist, andererseits signalisiert es beim Lesen, dass es ein Begriff ist, was ich bei Hip Hop zum Beispiel irgendwie vermisse. Mit Hiphop kann ich mich irgendwie nicht wirklich anfreunden. Wäre so wie Heavymetal für mich.

Im Englischen gibt es ebenfalls drei Varianten. Wobei hier hiphop eher selten benutzt wird. Hier ist mehr hip-hop und hip hop, was meiner Variante beim Lesen dann doch gut entgegen kommt.

Die deutsche Wikipedia hat sich irgendwann auf Hip-Hop festgelegt, die Englische auf hip hop. Und um mal etwas Alteingesessenes mit ins Boot zu holen: Die Encyclopedia Britannica benutzt hip-hop.

Für viele ist das wahrscheinlich Korinthenkackerei. Aber viele lesen auch heutzutage nicht mehr sonderlich viel außer dem Kauderwelsch in E-Mails und SMS. Und da kann man tatsächlich darüber streiten, wofür man da Regeln braucht.

Für mich macht es viel aus, wenn ein Text nach irgendwelchen wilden Regeln geschrieben ist, da dann das Schnelllesen schwer fällt. Sicher hat dieses eine Wort nur kleine Auswirkungen. Aber erfahrungsgemäß ist ein Text, der sich an keinerlei Regeln zu halten versucht, insgesamt sehr schwer schnell zu lesen, da gar nichts stimmt.

Zu dem hat das Ganze auch ein praktische Seite. Zum Beispiel bei MP3-Tags. Wenn man da nicht einheitlich ist, dann hat man viel Spaß. Da leider jeder anders schreibt, muss man MP3s von Freunden immer irgendwie anpassen. Kostet Zeit. Spätestens beim Suchen, wenn man vergessen hat, darauf zu achten. Wobei ich die gebräuchliche englische Schreibweise benutzte: hip hop. Womit ich kein Problem habe, da ich hier hauptsächlich englischesprachige Lieder ablege und dann sowieso in der englische Sprache mich bewege.

Und Apropos suchen. Suchmaschinen wie Google versuchen das irgendwie mittlerweile auszubügeln, das mit den Schreibweisen. An sich ganz nett. Aber mittlerweile geht das mir tierisch auf den Sack, weil man nicht mehr nach ganz bestimmten Schreibweisen suchen kann, ohne komplizierte Suchmuster zu definieren. Mittlerweile ist es sogar so schlimm, dass Google bei einigen Begriffen selbstständig der Meinung ist, dass man sich wohl mehr für die Mehrzahl interessiert. Aber langsam schweife ich wirklich ab ;o)

4 Kommentare zu “Hip-Hop, Hiphop, HipHop, Hip Hop, Hä?”

  1. heimer schrieb:

    irgendwo und irgendwann hat mal KRS One in einem INterview gesagt, es muss “HipHop” heißen und geschrieben werden. Und da KRS nicht nur HipHop, sondern “Real HipHop” ist, wie er nicht selten auf jeder seiner Platten betont, fühle mich gerade zu genötigt, mich an diese Schreibweise zu halten.

  2. Mulo Schabing schrieb:

    Das wäre mal ein interessantes Interview. Wobei ich das dann etwas seltsam fände. Wenn man sich die Veröffentlichungen von KRS One anschaut, dann steht da in der Regel Hip Hop, also die sehr verbreitetet englische Schreibweise ohne Bindestrich. Zum Beispiel Hip Hop Lives mit Marley Marl oder einfach mal auf Discogs kucken. Bei dem selbsternannten Lehrer sollte man eigentlich davon ausgehen, dass er auf so Details achtet. Sein Tempel of Hip Hop benutzt übrigens auch hauptsächlich diese Schreibweise.

  3. Als es noch kein Internet gab schrieb:

    [...] Da fällt es einem wie Augen von den Schuppen, wenn man mal wieder aufräumt und über diverse Dinge stolpert. Ein Dokument historischer Bedeutung, wahrscheinlich nicht nur für mich, sondern auch für einige andere, war das für damalige Zeiten unglaubliche Buch »HipHop. Rap. Graffiti. Scratching. Break-Dance.« Womit ich mich dann auch wieder daran erinnerte, warum ich früher Hip-Hop als HipHop geschrieben habe, was ich mittlerweile gar nicht mehr nachvollziehen kann. [...]

  4. Alvarez schrieb:

    Im folgenden Link ein Vortrag von KRS-One, über die 40 jährige Geschichte der HipHop Kultur. Irgendwo am ende erklärt er alle drei Schreibweisen.

    Bitteschön

    http://www.youtube.com/watch?v=REpSdgORU5A

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